Praxisinformation
Persönliche Ansichten zu Candida albicans
Bei Candida albicans - im Folgenden nur als Candida bezeichnet - handelt es sich um eine pathologische Hefe, die derzeit nicht nur in aller Munde, sondern auch in "aller Gedärm" zu sein scheint.
In vielen Schriften, Vorträgen und Büchern werden zum Teil regelrechte Horrorgeschichten verbreitet, welche die Patienten erheblich verunsichern.
Factum ist:
Wird eine Candida-Besiedelung nachgewiesen, muß sie behandelt werden.
Ein fehlender Nachweis von Candida bedeutet aber nicht gleichzeitig deren Abwesenheit, da das Substrat meist
ungleichmäßig besiedelt wird. Dies hängt mit der Eigenart der Candida zusammen, Kolonien zu bilden.
Jeder Pilz braucht geeignetes Terrain, um sich festsetzen zu können. Ist das Terrain gesund, hat der Pilz keine Chance.
Eine Milieustörung oder besonders günstige Verhältnisse fördern somit eine Pilzerkrankung. Die lokale Abwehrleistung ist dann beeinträchtigt und der Pilz setzt sich fest.
Im Darm, der heute häufigsten Candida-Mykose-Lokalisation, herrscht unter normalen Bedingungen ein eher saures
und sauerstoffreiches Milieu.
Es gibt eine Unzahl von Mikroben, die sich gegenseitig in ihren Lebensfunktionen unterstützen und die nur in
einem bestimmten Milieu im richtigen Verhältnis leben können. Dies bezeichnet man als Symbiose.
In einem gestörten Milieu mit entsprechender Abwehrschwäche setzt sich die Hefe in den dafür bestens geeigneten Darmkrypten fest und ändert durch ihre Stoffwechselprodukte das Milieu der Umgebung weiter so, daß nur sie und ihr "freundlich gewogene" Keime begünstigt werden.
Initiale Milieustörungen entstehen z.B.durch
- hochkalorische Ernährung mit Raffinade-Zucker,
- weißen Mehlen,
- Alkohol
- hoher Anteil von tierischem Eiweiß an der Nahrung
- östrogenhaltige Präparate, wie die Pille
- Schwermetallbelastungen z.B. mit Amalgam
- Antibiotika oder Cortison
- Infektionserkrankungen des Magen-Darmtraktes
- Abwehrschwäche lokal oder generalisiert
- Allergien oder Störungen durch Nahrungsmittel
Manchmal genügt es schon, durch eine Therapie mit Nystatin oder anderen Antimykotika in Verbindung mit einer Diät, der Candida das Leben so schwer zu machen, daß die Symbiosestörung sich von selbst wieder einpendelt und weiteres Pilzwachstum verhindert wird. Dies geschieht manchmal auch durch Fortfall der störenden Einflüsse, z.B. nach Abklingen eines Infektes, Amalgamsanierung oder Änderung der Ernährungsgewohnheiten.
Manchmal aber auch nicht!
Der Verdienst der bisherigen "Aufklärungskampanien" liegt im Bewußtmachen des bisher ignorierten Problems.
Patienten, die bisher eine regelrechte Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich haben, finden plötzlich eine
Erklärung für ihre Beschwerden.
Leider wird die Candidose als Ursache für Beschwerden auch überstrapaziert, was Gegnern und Ignoranten unter
den ärztlichen Kollegen allzu leicht ermöglicht, sich über die Ärzte lächerlich zu machen, die redlich
versuchen, allen Hinweisen auf die Ursache der Beschwerden ihrer Patienten nachzugehen.
Getragen von der jeweiligen Grundanschauung gibt es derzeit verschiedene zum Teil heftig propagierte Therapiekonzepte, die häufig nur den Pilz beachten und alles daran setzen, diesem Übles anzutun oder nur einzelne Faktoren berücksichtigen, die eine Mykose begünstigen können.
Die einen versuchen ihn durch immer stärkere Gifte abzutöten.
Doch durch Streuen von Gift wurde noch nie eine alte Scheune frei von Mäusen
Andere versuchen es mit der berüchtigten Candida-Diät, aber durch Schließung der Restaurants kann man keine
Stadt aushungern.
Durch Aushungern kann man bestenfalls das Wachstum vorübergehend eindämmen.
Auch gibt es die Ansicht, daß sich die Candida durch Sproßbildung den benötigten Zucker aus den Gefäßen der
Darmwand und damit beim Patienten direkt holt.
Die Gerüchte, die Candida verlasse beim Versuch sie auszuhungern den Darm und befalle über das Blut andere
Organe, sind Unsinn.
Sie lässt sich beim halbwegs Gesunden nicht im Blut nachweisen oder gar anzüchten. Selbst bei zufälliger
Einschwemmung ins Blut hat sie dort keine reelle Chance zu überleben.
Eine Candida-Sepsis mit entsprechendem nachweisbaren Befall innerer Organe kommt nur bei Patienten mit
schwerem Immundefizit oder immunsuppressiver Behandlung vor.
Hier hat im Grunde - hart gesagt - der Sensenmann schon seinen Besuch angekündigt. Bei der Candida-Sepsis
handelt es sich um ein schwerstes Krankheitsbild.
Die Ursache der Gerüchte liegt wahrscheinlich in den gelegentlich im alternativmedizinischen Bereich
verwendeten Kristallisationstests, die mit Hilfe der Dunkelfeldmikroskopie eines Blutstropfen bei
Candida-Patienten Strukturen nachweisen, die wohl fälschlich als "Candida-Lebensform" interpretiert werden.
Diese Befunde sind aber mit größter Sicherheit in Wirklichkeit irgendwas anderes, ein Hinweis vielleicht,
worauf man auf eine Candidose des Patienten schließen kann. Daraus kann aber nicht auf ein Vorkommen der
Candida im Blut geschlossen werden.
Daß bei einem Patient, der eine Darm-Candidose in Folge eines gestörten Schleimhautmilieus hat, auch auf
anderen Schleimhäuten eine Candidose vorkommen kann, ist nur zu logisch, aber kein Beweis einer hämatogenen
Aussaat.
Wieder andere versuchen, im Rahmen einer Symbioselenkung die Pilze und deren Mitbewohner mit geeigneten
Bakterien zu überwuchern, aber eine Wüste läßt sich nicht erfolgreich und dauerhaft durch Streuen von Samen
oder Setzen von Stecklingen begrünen.
Es wird auch versucht, mit Bruchstücken geeigneter Bakterien, Enzymen oder Pufferlösungen ein geeignetes
Milieu zu schaffen und so die Symbiose günstig zu beeinflussen.
Andere Therapeuten versuchen, mit Colon-Hydrotherapie-Darmspülungen, Einläufen oder abführenden Maßnahmen zum Ziel zu kommen. Hierbei wird die Candida mechanisch entfernt, was aber bei einem Generationszyklus von 20 Minuten Stückwerk bleiben muß. Das therapeutische Moment ist hier wahrscheinlich die Entgiftung und Toxinausleitung sowie die Schaffung möglichst unfreundlicher und faulstoffarmer Verhältnisse, die die Versuche der Candida stören, sich wohnliche Verhältnisse einzurichten.
Auch homöopathische Therapieansätze versuchen, über eine Änderung des Milieus und die Verbesserung der Abwehr
der Candidose Herr zu werden.
Von klassischen Homöopathen werden die der Homöopathie verwandten Therapiemethoden eher mißtrauisch
beobachtet. Zu nennen wären hier die verschiedenen Formen der Eigenblut-Therapien, sinnvoll kombiniert mit
Nosoden-Therapie aus erkrankten Geweben oder homöopathisch aufbereiteten Erregern wie z.B.mit potenzierter
Candida und die Therapie mit Organpräparaten oder Drainagemitteln.
Die oft fälschlich als Form der Homöopathie bezeichnete Bach-Blütentherapie soll durch Ausgleich seelischer
Dissonanzen der Candidose den materiellen Boden entziehen.
Und trotzdem ... die Candida widersetzt sich häufig standhaft, obwohl jeder Therapieansatz für sich seine Berechtigung hat.
Die Folge ist, daß bei Versagen der Therapie die Therapeuten die Schuld in mangelnder Therapie-Konsequenz beim Patienten vermuten, was dann manchmal zu regelrechten Therapie-Exzessen führt, die den Patienten häufig erheblich belasten.
Der Grund für das Versagen der Therapie ist oft nur ein Unterschätzen der bestehenden Milieustörung als Ursache der Candida-Mykose und eine Fehleinschätzung der benötigten Therapiezeiten, die in der Seehofer-Ära aus Kostengründen oft zu knapp bemessen werden. Regulationstherapien brauchen eben oft viel Zeit und Geduld - heutzutage eher selten gewordene Güter.
Kommt man mit dem ersten Therapieversuch nicht zum Ziel, ist von einer tiefer greifenden Milieustörung
auszugehen.
Eine Wiederholung oder Steigerung der Radikalität getroffener Maßnahmen führt meist nicht zum Ziel.
In diesem Fall sollte nicht mehr die Candida oder ein einzelnes Behandlungkonzept im Mittelpunkt stehen.
Man muß vielmehr versuchen, ganzheitlich alle die Candida begünstigenden Faktoren zu mindern, verschiedene
Therapieansätze zu kombinieren und dem Patienten geeignete naturheilkundliche Ernährungsrichtlinien zu geben.
Und dann braucht man nur noch Geduld!